Unterricht und Pausen

Eine Jenaplanschule ist eine Lebensgemeinschaftsschule, d.h. wir leben die Überzeugung, dass Leben und Lernen nur in Beziehung zueinander und in Gemeinschaft miteinander geschieht.
Dabei spielt die Rhythmisierung des Schultages, die Raum für Gemeinschaftserleben geben muss, eine Rolle: Die Öffnungszeiten ermöglichen den Kindern einen gleitenden Schultagesbeginn, denn die Schule steht ab 7.30 Uhr offen, der Unterricht beginnt jedoch erst um 8.00 Uhr.
Um diese Zeit trifft sich die ganze Schule zu einem Morgenkreis in der Eingangshalle, um gemeinsam zu singen und sich die wichtigsten Tagesinformationen zukommen zu lassen. Auch in der Stammgruppe trifft man sich anschließend zuerst im Kreis, um zu erzählen, anzukommen, den Tag gemeinsam zu planen.

Nach einer Arbeitsphase findet das gemeinsame Frühstück statt, das mit einem Lied eröffnet wird. Die notwendigen Pausen und Entspannungsphasen innerhalb der 90-Minuten-Unterrichtsblöcke legen die Kinder recht eigenverantwortlich durch Bewegungspausen fest.

Der Jenaplan stellt als reformpädagogischer Ansatz die Entwicklung des Kindes und die Entfaltung seiner Identität in den Mittelpunkt pädagogischen Handelns. Das Kind wird ganzheitlich wahrgenommen und damit sein Bedürfnis, mit Kopf, Herz und Hand zu lernen.

Kinder wollen lernen, deshalb kann man ihnen zumuten, autonom und entdeckend auf die Welt zuzugehen. Sie gestalten ihre Lernprozesse möglichst selbsttätig und eigenverantwortlich. Die Lernfortschritte entwickeln sich im Wesentlichen entlang der kindlichen Interessen und in Sinnzusammenhängen auf Grundlage der kindlichen Erfahrungswelt.

Lernen bezieht sich immer auf die Begegnung und Auseinandersetzung mit dem Mitmenschen, mit der Sache, mit der Welt.

Leistung heißt in diesem Zusammenhang: Die Fähigkeit entwickeln, die eigenen Stärken zu erkennen, zu nutzen und wertzuschätzen. Anschließend gilt es neue Interessen und Lernziele zu formulieren und sie selbsttätig oder in Zusammenarbeit mit anderen zu verfolgen.

Bis zum Ende des vierten Schuljahres müssen wir keine Noten geben. Die Einschätzung und Dokumentation der Leistung der Kinder findet über das Führen des Gruppenbuches (hier werden wöchentlich Notizen zum Entwicklungsverlauf eines Kindes gemacht), Teamgespräche, Portfolio-Arbeit und Präsentationen statt. Eltern-Kind-Gespräche, Reflexionsgespräche mit den Kindern oder schriftliche Rückmeldungen sowie Entwicklungsberichte zum Schuljahresende geben allen Beteiligten Einblick in die Entwicklung der Kinder. Es gilt dabei, kein Kind zu beschämen sondern zu ermutigen.

 Die Arbeitsgrundformen

Die Jenaplan-Pädagogik unterscheidet vier Arbeitsgrundformen: Spiel, Gespräch, Arbeit und Feier, die alle darauf basieren, dass Lernen voneinander und miteinander besonders erfolgreich ist.

Das Spiel ist eine ursprüngliche Form des Menschen, sich die Welt zu erschließen: Entdeckendes Lernen, Experimentieren, Gelerntes in Spiele umsetzen, spielerisch zu üben, Theaterspiel  und Philosophieren sind Elemente dieser Arbeitsform und haben ihren festen Platz im Schulleben.

Ob erzählt wird, ein Sach- oder Konfliktgespräch stattfindet, immer wird durch Zuhören und aufeinander Eingehen die Beziehung zwischen Menschen gestärkt. Genügend Raum für das Gespräch ermöglicht es den Kindern Vertrauen in ihr eigenes Denken und zu entwickeln. Vermutungen aufzustellen, sie gemeinsam zu diskutieren, zu bestätigen oder zu verwerfen.

In Konfliktgesprächen machen sie die Erfahrung, dass man gemeinsam Lösungen finden kann, das Verzeihen und Versöhnung möglich ist und es immer wieder eine neue Chance gibt.

Arbeit ist die Fähigkeit, etwas für sich und andere leisten zu können, und bietet die Möglichkeit der Selbstverwirklichung. Kinder wollen arbeiten und etwas leisten. Dies findet in Einzel- aber meist Partner- oder Gruppenarbeit statt. Arbeitsergebnisse sind oft ein Vortrag, ein Ausstellungsstück, eine Mappe zu einem Thema. Durch verschiedene Arbeitsaufträge mit Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten finden die Kinder den zu ihnen passenden Zugang zu einem Thema.

Die Feier stiftet Gemeinschaft und hebt sich vom Alltäglichen ab, wir wenden uns einander zu und genießen das Beisammensein. Feiern müssen geplant und gestaltet werden, sie bieten den Rahmen, um Arbeitsergebnisse zu präsentieren, um zu Ausgelassenheit, gemeinsamem Spiel oder auch zu gemeinsamem Nachdenken einzuladen. Feiern verbinden Menschen verschiedenen Alters und verschiedener Lebenskreise.

 Lernen in Projekten

Durch das Lernen in Projekten lernen die Kinder ihre Lern- und Arbeitsprozesse zu planen, zu organisieren und möglichst selbstständig durchzuführen. Die Lerninhalte sind ihnen bedeutsam, es bieten sich verschiedenste Zugangsmöglichkeiten zu einem Thema und jeder findet seinen Platz, um seinen Anteil am Gelingen des Projektes beizutragen. Jedes Projekt gipfelt in einer gemeinsamen Aktion oder Präsentation.

 

Das Konzept individueller Unterschiede

Es gab einmal eine Zeit, da hatten die Tiere eine Schule. Das Curriculum bestand aus Rennen, Klettern, Fliegen und Schwimmen, und alle Tiere wurden in allen Fächern unterrichtet. Die Ente war gut im Schwimmen; besser sogar als der Lehrer. Im Fliegen war sie durchschnittlich, aber im Rennen war sie ein besonders hoffnungsloser Fall. Da sie in diesem Fach so schlechte Noten hatte, musste sie nachsitzen und den Schwimmunterricht ausfallen lassen, um das Rennen zu üben. Das tat sie so lange, bis sie auch im Schwimmen nur noch durchschnittlich war. Durchschnittliche Noten waren aber akzeptabel, darum machte sich niemand Gedanken darum, außer: die Ente. Der Adler wurde als Problemschüler angesehen und unnachsichtig und streng gemaßregelt, da er, obwohl er in der Kletterklasse alle anderen darin schlug, darauf bestand, seine eigene Methode anzuwenden. Das Kaninchen war anfänglich im Laufen an der Spitze der Klasse, aber es bekam einen Nervenzusammenbruch und musste von der Schule abgehen wegen des vielen Nachhilfeunterrichts im Schwimmen. Das Eichhörnchen war Klassenbester im Klettern, aber sein Fluglehrer ließ ihn seine Flugstunden am Boden beginnen, anstatt vom Baumwipfel herunter. Es bekam Muskelkater durch Überanstrengung bei den Startübungen und immer mehr „Dreien“ im Klettern und „Fünfen“ im Rennen. Die mit Sinn fürs Praktische begabten Präriehunde gaben ihre Jungen zum Dachs in die Lehre, als die Schulbehörde es ablehnte Buddeln in das Curriculum aufzunehmen. Am Ende des Jahres hielt ein normaler Aal, der gut schwimmen und etwas rennen, klettern und fliegen konnte, als Schulbester die Schlussansprache.

Originalquelle unbekannt